Tonnenweise Gold in alten Mobiltelefonen

Nabu und Verbraucherberatung stellen Recycling-Sammelprojekt vor

-kd- RHEINE. Wer würde 400 Kilogramm Gold einfach in den Müll werfen? Wohl niemand, oder? Und doch passiert es. Millionen von Mobiltelefonen wandern jedes Jahr in den Müll, weil sie defekt sind, oder das neueste Modell her muss. In den smarten Telefonen stecken aber wertvolle Rohstoffe: Gold, Silber, Aluminium, Eisen und sogenannte seltene Erden, ohne die heute kein elektronisches Helferlein mehr funktionieren würde. Alle 18 Monate steigt der durchschnittliche Handybenutzer auf ein neues Modell um. Bei 72 Millionen Handys deutschlandweit kommt da einiges an wertvollem Material zusammen. Wäre doch Verschwendung, wenn das alles im Abfall landen würde. Und schädlich für die Umwelt wäre es obendrein.

Eine bessere Verwendung für alte Handys hat das Projekt "Handys sind Gold wert", das gestern in der Verbraucherberatung auf dem Thie in Rheine vorgestellt wurde. Ein Gemeinschaftsprojekt, an dem außer den Verbraucherschützern der Naturschutzbund (Nabu) Kreis Steinfurt, die Arbeitsgemeinschaft Solidarische Welt Kreis Steinfurt und der Eine Welt Laden Steinfurt beteiligt sind. "Jeder von uns hat doch mindestens ein, zwei alte Handys in der Schublade", führte Margret Esters-Gardeweg, Leiterin der Verbraucherberatung Rheine, das Thema weiter aus. Sie appellierte an alle, Mobiltelefone länger zu nutzen, ausgediente Handys zu verschenken, zu verkaufen oder recyeln zu lassen und sie nicht in den Abfall zu werfen. Wie man sein altes Handy zu Geld machen und damit sogar noch etwas Gutes für die Umwelt tun kann, erklärte NABU-Vorsitzender Michael Wolters. Als langjähriger Abfallberater der Stadt Rheine hat er reichlich Erfahrung auf dem Gebiet des Recycling gesammelt.

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Umwelthilfe werden die oben genannten Partner fünf Sammelstellen in Rheine, Ibbenbüren und Steinfurt einrichten. Für jedes gesammelte Handy zahlt die Deutsche Umwelthilfe drei Euro. Eine Hälfte geht an ein Renaturierungsprojekt an der Havel, die andere an das "Lehmdorf", eine Einrichtung für Umweltbildung in Steinfurt-Borghorst. "Sammeln können auch Vereine oder Schulen. Wir leiten die Handys dann gerne weiter", bot Wolters an. Wichtig sei allerdings, dass die Mobiltelefone komplett, also auch mit Akku, abgegeben würden. Nur dann gebe es dafür Geld. Ladegeräte sollen allerdings nicht in den Sammelboxen entsorgt werden, sondern wie bisher in den Elektroschrott (zum Beispiel am Wertstoffhof Rheine) wandern.

Der Export von ausgedienten, aber funktionsfähigen Mobiltelefonen als Hilfe für Menschen in Schwellenländern hat sich übrigens nicht bewährt. "Die werden verbrannt, um an die wertvollen Rohstoffe zu kommen. Eine Riesensauerei", berichtet Michael Remke-Smeenk von einem besonders abschreckenden Beispiel aus Akkra, der Hauptstadt des westafrikanischen Staates Ghana.

Die Sammelstellen für ausgediente Handys: Verbraucherberatung Rheine, Auf dem Thie 34 | Weltladen Rheine, Hansaallee 17 | Eine-Welt-Laden, Wilhelmstraße 13, Emsdetten | Weltladen Ibbenbüren, Breite Straße 18, Ibbenbüren | Eine Welt Laden Steinfurt im EGB, Flintenstraße 9, Steinfurt.

Mit freundlicher Genehmigung der MV Rheine
Quelle: Ausgabe Nr. 23 vom 28. Januar 2015
Foto: v. l. Michael Wolters (Nabu Steinfurt), Margret Esters-Gardeweg (Verbraucherberatung Rheine, Ulrike Wanink (Eine Welt Laden Steinfurt) und Michael Remke-Smeenk (AG Solidarische Welt).
Fotograf: Dierkes